Bildungsreise nach Forst (Lausitz) vom 24.09. – 30.09.2006
Die Gruppe vor dem Kreishaus in Forst Sonntag, 24. September Die Fahrt nach Forst in der Lausitz gestaltete sich trotz einer Streckenlänge von ca.710 km bei schönstem Spätsommerwetter unproblematisch. Zwei kurze Zwischenstopps und eine längere Mittagspause in Eisenach lockerten den Fahrstress von Thomas Trier, Ralf Nürnberger, Ulrich Steffen und mir, Eymelt Sehmer (w), auf. Im Schnelldurchgang besuchten wir das Luther – Haus, ein kleines Museum, das Herrn Martinus´ Aufenthalt in Eisenach dokumentiert. Der Hunger trieb uns in ein Italienisches Restaurant am Karlsplatz – recht empfehlenswert, so dass wir unsere Fahrt gestärkt fortsetzen konnten, beseelt von dem Vorsatz, bestimmt mit viel mehr Zeit nach Eisenach zurückzukehren! Diesen Vorsatz kann man aber auch für alle anderen mitteldeutschen, kulturschwangeren Städte fassen! Um 20.15 Uhr erreichten wir das Hotel, in dem es zum Glück noch ein gediegenes Abendessen „wie bei Muttern“ gab. Hierbei lernten wir uns insgesamt kennen; denn fünf weitere TeilnehmerInnen kamen aus unterschiedlichen Regionen NRW´ s dazu. Wegen allgemeiner Erschöpfung war um 22.00 Uhr Nachtruhe angesagt. Montag, 25. September Nach dem Frühstück Besuch des „Arbeitslosen-Service“ in Forst: hier werden wir von zwei befristet eingestellten Mitarbeiterinnen und zwei Kundinnen empfangen, die uns die Situation der Arbeitslosen in Forst und Umgebung darlegen. Sie bemängeln, dass die Betreuerinnen nach Ablauf eines Jahres wechseln, bedingt durch die Förderprogramme, so dass eine vertrauensvolle Basis kaum entstünde. Die allgemeine Unzufriedenheit der Betroffenen, die nicht selten mit Alkohol, Zigaretten und Kaffee ertränkt wird, steht im krassen Widerspruch zu den Sanierungsarbeiten der letzten Jahre, die die Kreisstadt Forst in einem hellen, pastellfarbenen Licht erscheinen lassen. Dies gilt mittlerweile für alle ostdeutschen Regionen und hebt diese optisch wohltuend von den polnischen Kommunen ab, die erst seit dem EU-Beitritt Polens Dank reichlich fließender Subventionen mit umfangreichen Sanierungsarbeiten beginnen. ( Hierzu später mehr). Der Arbeitslosen-Service bietet den Betroffenen Beratung, Betreuung und Mahlzeiten an und ist auch Treffpunkt von Arbeitslosen und Obdachlosen. Ein weiterer Besuch führt uns zum „Institut für neue Industriekultur e.V.“ (INIK) in Forst. Nach den Ausführungen des Geschäftsführers, Herrn Scharnholz, handelt es sich hierbei um einen privaten deutsch-polnischen Verein, der die Nach- und Neunutzung von Industriebrachen im gesamten Grenzgebiet in Zusammenarbeit mit Hochschulen in Cottbus und in Polen untersucht. Die vom Verein herausgegebene Broschüre: „Die unbekannte Moderne“ dokumentiert in eindrucksvoller Weise Möglichkeiten der Wieder-, Neu- und Nachnutzung von Gebäuden, die in den Zwanziger- und Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden sind. Herr Scharnholz weist darauf hin, dass, angeregt durch den Strukturwandel im Ruhrgebiet, hier auf die Region Lausitz zugeschnittene Konzepte zur Neuansiedlung moderner Industrien und von Gewerbe entwickelt werden sollen. Auf deutscher Seite gehe es um ein Gebiet mit ca. 700 T EinwohnerInnen, in Polen um etwa 1 Mio. Menschen. Er hebt die besondere Bedeutung der finanziellen Unterstützung durch EU, Bund und das Land Brandenburg hervor, um die Abwanderung hoch qualifizierter und junger Arbeitskräfte zu stoppen. Mittagessen im Restaurant „Lausitz“ in der Amtsstraße. Besuch in Horno, das eigentlich Neu – Horno heißen müsste; denn hier wurden die Menschen aus dem ehemaligen Horno angesiedelt, das dem Braunkohlentagebau weichen musste. Horno ist nun ein Ortsteil von Forst, als Angerdorf angelegt, mit einer kleinen Kirche, deren Turm das Turmdach der ursprünglichen Kirche aus (Alt-) Horno trägt. Der Transport und das Aufsetzen geschahen in einer spektakulären Aktion. Geprägt wird das Dorf auch durch das kleine Museum, dem Feuerwehrhaus und einer Scheune in altem Stil, das ein kleines Heimatmuseum beherbergt. Hierzu eine Textpassage aus der Homepage der Stadt Forst (L.) mit leichten Kürzungen: „Eröffnung des Archivs verschwundener Orte in Forst (Lausitz) Ortsteil Horno Am Samstag, den 14.10.2006 um 11 Uhr öffnet ein neues Dokumentationszentrum „Archiv verschwundener Orte“ - eine Dokumentation bergbaubedingter Umsiedlung im Forster Ortsteil Horno seine Pforten. Das „Archiv verschwundener Orte“ befindet sich im Gemeindezentrum des Ortsteils Horno, An der Dorfaue 9, 03149 Forst (Lausitz). Es werden Führungen durch das „Archiv verschwundener Orte“, durch die Museumsscheune und durch das Kirchliche Informationszentrum (KIZ) durchgeführt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger, Betroffene und Gäste sind zu dieser Eröffnung sehr herzlich eingeladen. Ortsabbrüche und Umsiedlungen für den Braunkohlenabbau prägen das Lausitzer Bergbaurevier seit Jahrzehnten. 136 Ortschaften sind seit 1922 ganz oder teilweise verschwunden, über 25.000 Menschen verloren ihre Heimat. Dieser Thematik widmet sich die, als „erzählender Raum“ konzipierte Dauerausstellung des Dokumentationszentrums mit modernster multimedialer Präsentationsform. Mittelpunkt der Ausstellung bildet eine großflächige, begehbare Karte des Lausitzer Reviers auf dem Boden des Ausstellungsraumes, auf dem der Besucher mit einem
Die Teppichlandkarte von Horno interaktiven Infosauger alle verschwundenen Orte digital ansteuern kann. Weitere Multimediastationen bieten Informationen zur Geschichte und Gegenwart der Umsiedlung, zur besonderen Betroffenheit der sorbischen Minderheit durch den Bergbau und zum langjährigen Kampf um das Dorf Horno. Das Archiv verschwundener Orte wurde in zweieinhalbjähriger Projektlaufzeit durch ein Wissenschaftlerteam am Stadtarchiv Forst zusammen mit dem Berliner Gestalterbüro Peanutz Architekten realisiert. Die Realisierung erfolgte als Gemeinschaftsprojekt, dessen Partner außer der Stadt Forst (L.) die Stiftung Horno, die Domowina und die Vattenfall Europe Mining & Generation waren. Die Betreibung des Archivs verschwundener Orte wird durch die Stiftung Horno gemeinsam mit der Stadt Forst (Lausitz) erfolgen.“ ( Autor: Stadtverwaltung Forst (Lausitz) Das offizielle Programm dieses Tages beenden wir mit der Besichtigung des „Ostdeutschen Rosengartens“ in Forst. Dieser wurde 1913 zu Ehren des 25-jährigen Krönungsjubiläums des Kaisers Wilhelm II angelegt. Hier befinden sich seltene Züchtungen wie die grüne Rose (Rosa chinensis viridiflora) und die Konrad Adenauer Rose. Auch eine schwarze Rose soll es geben!?! Ergänzt wird dieser Rosenreigen von einer umfangreichen Dahliensammlung, die zurzeit ihre ganze Blütenpracht entfaltet.
Der Ostdeutsche Rosengarten in Forst Dienstag, 26. September Wir fahren zu den iba-Terrassen in Großräschen, etwa eine Autostunde südwestlich von Forst. Bis 1990 befand sich hier einer der 20 Braunkohlentagebaue der ehemaligen DDR. Die Wende ließ den Abbau hier wie fast in der gesamten Region zusammenbrechen. Südlich von Großräschen wird nun ein Riesenloch (ca. 770 ha mit einer max. Tiefe von 50 m) für die Flutung vorbereitet, um ein Freizeitgebiet mit allen möglichen Wassersportarten entstehen zu lassen. Die Flutung beginnt Ende 2006 und soll nach elf bis zwölf Jahren abgeschlossen sein. Das Wasser wird aus der Schwarzen Elster, der Spree und dem (noch vorhandenen) Grundwasser gezogen. NaturschützerInnen warnen schon jetzt vor den ökologischen Folgen; denn die Wasservorräte sind knapp -> durch die extensive Waldrodung und den hohen Wasserverbrauch der Vergangenheit. Die Lausitz gilt als eine der trockensten Regionen der Republik! Der neu zu schaffende Ilsesee ist Bestanteil der in dieser Region geplanten künstlichen Seenlandschaft und versteht sich als Projekt zur Neugestaltung der Industriebrache mit hohem Freizeitwert, wobei neben der künstlichen Seenlandschaft auch die Wiederaufforstung im Mittelpunkt steht.
Der zukünftige Ilsesee bei Großräschen Das Mittagessen nehmen wir im Landhof Drochow ein, einem landwirtschaftlich-gastronomischen Beschäftigungsprojekt des Arbeitslosenverbandes. Hier werden Arbeitslose aus der Region entsprechend geschult. Sie finden u.U. auch dort einen Arbeitsplatz, wobei nicht selten die Weiterbeschäftigung im Status der Ehrenamtlichkeit fortgesetzt wird, um wenigstens den individuellen Tagesablauf strukturieren zu können. Ungeachtet dieses Hintergrunds befindet sich der Landhof in einem gepflegten, soeben renovierten Zustand. Das Mittagessen ist „gut bürgerlich“ und schmackhaft. Den sich anschließenden Rundgang nutzen wir, um uns die Gästezimmer anzusehen, die den speziellen Charme der Vergangenheit ausstrahlen; denn sie sind aus restaurierten Altmöbeln zusammengestellt und mit Dekorationen liebevoll ausgestattet. Die Krönung ist das Hochzeitszimmer:
Das Hochzeitszimmer Hier können Familien-, Vereins- und Betriebsfeste aller Art mit der Möglichkeit der Übernachtung, auch mit Selbstversorgung, gefeiert werden. Aber auch Seminare, Klassenfahrten u.v.m. sind möglich. Kleintierhaltung, wie Kaninchen, Ziegen, Enten, Hühner und Wellensittiche ergänzen das Angebot. Darüber hinaus sind „Kreativaktionen“ zum Schmücken der eigens hergestellten Erntekrone für das Erntedankfest, Basteln von Figuren aus verschiedenen Naturmaterialien für Erwachsene und Kinder, das Einkochen von Marmeladen aus Früchten des Hofes u.ä.m. im Angebot der Initiative zu finden. Mittwoch, 27. September Unsere erste grenzüberschreitende Fahrt zum Frauenhaus nach Zari (gesprochen Schari) steht auf dem Programm. Wir packen uns und Kisten mit wärmenden bunten Wolldecken und Socken in drei Autos und machen uns auf eine Reise in eine andere Welt! Das Frauenhaus liegt irgendwo am Stadtrand von Zari in einem Gebäude, das einmal zu einer Fabrik gehörte. Wir werden von der Heimleiterin empfangen, die uns mit der Hilfe einer Dolmetscherin (ihrer Mutter, wie wir später erfahren) Rede und Antwort steht. Gerlinde, unsere Forster Ansprechpartnerin, hatte uns auf den katastrophalen baulichen Zustand des Hauses vorbereitet, der sich aber nicht bestätigte. Inzwischen ist das Haus saniert und renoviert worden, was durch Spenden aus Brandenburger Initiativen und der EV. Kirche ermöglicht wurde. Die Heimleiterin berichtet, dass das Haus für insgesamt 30 Personen ausgelegt sei. Zurzeit finden 16 Frauen und 20 Kinder Unterkunft in diesem Haus. Es kommen nicht nur Frauen in Not aus der Region, sondern auch aus Breslau und anderen Städten. Die Leiterin ist bemüht, allen bedürftigen Frauen zu helfen. Es gibt keinen nationalen Zusammenschluss der Einrichtungen – jedes Frauenhaus wurschtelt so vor sich hin und ist auf Spenden aus dem In- und benachbarten Ausland angewiesen. Das Personal setzt sich aus zwei Köchinnen, die sowohl für die Frauen als auch für Obdachlose kochen, der Heimleiterin und ihrer Stellvertreterin und ehrenamtlichen Helferinnen zusammen. Ein Arzt kümmert sich um die medizinische Grundversorgung der Frauen und Kinder. Staatliche Finanzhilfen sind nicht üblich, so werden auch Personal- und Sachkosten aus Spendengeldern finanziert. Frauen und Kinder werden betreut und bei Behördengängen und Gerichtsverfahren begleitet. Vorzugsweise bitten solche Frauen mit ihren Kindern um Hilfe, denen Gewalt jedweder Art von Ihren Männern oder anderen Angehörigen angedroht oder angetan wurde. Auch junge, ledige Mütter und schwangere, ledige Frauen kommen, weil sie von ihren Familien wegen „unmoralischen Lebenswandels“ verstoßen wurden. Allen Frauen werden Möglichkeiten zu einer weitgehend selbstständigen Existenzsicherung aufgetan, soweit dies möglich ist. So können junge, ledige Mütter ihren Schulabschluss nachholen und eine Berufsausbildung aufnehmen oder studieren. Dies alles findet jedoch unter weitaus größeren Schwierigkeiten statt, als wir uns das mit unserem Lebensstandard vorstellen können, weil in Polen der soziale Überbau westlichen Zuschnitts fehlt. Auf eine entsprechende Nachfrage wird uns mitgeteilt, dass beispielsweise die Katholische Kirche die Existenz lediger Mütter und unverheirateter Schwangerer überhaupt nicht zur Kenntnis nehme und auch nicht daran interessiert sei, ihnen zu helfen! Eine abschließende Führung durch das Haus ermöglicht uns einen oberflächlichen Einblick in das Leben der betroffenen Frauen. An diesem Vormittag sind nur wenige Mütter unterschiedlichen Alters anwesend. In der Regel teilen sich zwei Frauen mit ihren Kindern ein großes Zimmer. Darüber hinaus stehen Gemeinschaftsräume, Wasch- und Trockenräume, sowie Küchen zur Verfügung. Durch das Polnische Grenzgebiet fahren wir über Leknica nach Bad Muskau, um uns den „Blauen Garten“, die Parkanlage der Fürsten von Pückler, anzusehen, der von der UNO 2004 zum Weltkulturerbe erhoben wurde. Heinrich Ludwig Hermann Fürst von Pückler-Muskau und seine Frau Lucie gestalteten den Park in der Zeit von 1815 bis 1845 nach Englischem Vorbild. Er erstreckte sich auf beiden Seiten der Lausitzer Neiße mit einer Größe von 257 ha. Heute präsentiert sich der Landschaftspark mit seinem alten, zum Teil exotischen Baumbestand und weiten Rasen- und Wiesenflächen nahezu in seiner alten Pracht, aufgelockert durch bunte Blumen- und Gemüsebeeten.
Ein Gemüse – Blumenbeet im Blauen Garten Den Mittelpunkt des Parks bildet das „Neue Schloss“ mit seiner rot – weißen Fassade, das zurzeit aufwendig restauriert wird.
Das Neue Schloss Sehenswert sind auch die restaurierte Orangerie und die Wirtschaftsgebäude, die ein Restaurant, ein Schlossmuseum und auch ein kleines privates Automuseum beherbergen. Letzteres stellt alte Kutschen und Droschken, einen Beerdigungswagen, aber auch Oldtimer von Opel, Horch und Audi aus. Die Fahrzeuge sind in einem optisch einwandfreien Zustand und größtenteils noch fahrtüchtig. Glanzstück ist eine zwölfzylindrige Horch-Limousine, Typ 500, Bj. 1935, in blauem und schwarzem Metall gehalten und luxuriös ausgestattet. Auf der Rückfahrt nach Forst leisten wir uns einen Abstecher nach Bohsdorf bei Döbern, dem Elternhaus von Erwin Strittmatter, dem Verfasser des Romans „Der Laden“. Heute ist hier ein kleines Heimatmuseum untergebracht. Leider war es schon geschlossen, so dass wir lediglich einen Blick durch das alte Schaufenster in besagten Laden werfen konnten.
Erwin Strittmatters Elternhaus
Donnerstag, 28. September Um 10.00 Uhr führen wir ein Gespräch mit zwei Vertreterinnen des Eigenbetriebes Grundsicherung in der Trägerschaft des Landkreises Spree-Neiße (SPN). Die Arbeitslosenbetreuung wird hier nach dem Optionsmodell umgesetzt. Forst ist Sitz der Hauptstelle, Nebenstellen sind in Cottbus und Guben angesiedelt. Hauptziel ist es, Arbeitlose in dieser strukturschwachen Region wenigstens in Projekte zu vermitteln. Die FallmanagerInnen arbeiten mit einer funktionierenden Software (!?!) Es werden · Hartz IV- EmpfängerInnen · Ein-Euro-Jobs, vor allem an gemeinnützige Träger · Arbeit statt Grundsicherung · Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen vermittelt. Darüber hinaus wird versucht, in Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Firmen Arbeitsplätze zu schaffen, auch für den ersten Arbeitsmarkt. Es sei noch anzumerken, dass die Bedarfsgemeinschaften im Gegensatz zum Rheinisch-Bergischen Kreis eine konstante Größe darstellen und den Kreishaushalt des Spree-Neiße Kreises nicht dramatisch belasten. Nach dem Mittagessen wandern wir durch das Naturschutzgebiet „Euloer Teiche“, nordwestlich von Forst. Es handelt sich hier um eine Niederungslandschaft, geprägt von Teich- und Waldgebieten. Sie ist für Menschen öffentlich zugänglich. Wasservögel, wie Kormorane, Schwäne, Blässhühner, Enten u.v.m. haben sich im Laufe der Jahre hier angesiedelt. Dieses Gebiet verfügt über einen hohen Naherholungswert; denn es wurde vor einigen Jahren ein Rad - Wanderwegenetz angelegt. Schrift- und Bildtafeln informieren über Flora, Fauna, Hege- und Pflegemaßnahmen. (vgl. die Homepage der Stadt Forst (L))
Die Euloer Teiche Den Abend verbringen wir bei unserer eigentlichen Gastgeberin Gerlinde Födisch. Obwohl Ende September, sitzen wir mit einigen Mitgliedern des Kreistags SPN bei angenehmen Temperaturen in ihrem Garten und lassen es uns schmecken! Wir können das üppige Buffett kaum bewältigen.
Nettes Beisammensein bei Gerlinde Freitag, 29. September Auf Einladung der Stadt Forst fahren wir mit einem Kleinbus in die benachbarte Polnische Grenzregion zum Kennenlernen verschiedener Bildungseinrichtungen und zur Kurzbesichtigung der Städte/Gemeinden Brody, Lubsko, Zari und Zagán. Wir werden von dem sehr kundigen Baudezernenten der Stadt und einer Dolmetscherin begleitet. Zunächst aber führt uns der Weg an das heute Polnische Ufer der Neiße, an dem bis zum Kriegsende der Forster Stadtteil Berge gelegen war. Ruinenstümpfe der alten Neißebrücke und des ehemaligen Brunnens erinnern an die vollständig zerstörte Siedlung, deren Areal zum heutigen Brody, dem früheren Pförten, gehört. Heute überzieht ein Mischwald die gesamte Grenzregion, die in ihrer Gesamtheit zu den zehn größten Forstwirtschaften Polens gehört. Wegen der hohen Waldbrandgefahr verfügt die Forstverwaltung über eine eigene Feuerwehr – die grenzüberschreitende Kooperation funktioniert gut. Geprägt wird die Landschaft von einsam gelegenen Dörfern, die zum Teil aufgegeben wurden, und einem Wegenetz, das ausgedehnte Wanderungen und Erkundungen der Natur zulässt. Wir besichtigen die Schlossruine derer von Brühl in Brody. Dieser Standort war zur Zeit der sächsisch – polnischen Doppelherrschaft August des Starken auf der Verkehrsachse Dresden – Warschau von großer Bedeutung. Das Hauptgebäude ist zwar durch den nationalen Denkmalschutz vor dem Abriss geschützt, der Verfall geht jedoch unaufhaltsam weiter; denn Gelder für die dringend erforderliche Restaurierung stehen nach wie vor nicht zur Verfügung. Auch die vor einigen Jahren von einem privaten Investor renovierten Wirtschaftsgebäude, die als Hotel, Tagungs- und Festspielort genutzt wurden, stehen zurzeit leer.
Die Schlossruine von Brody/Pförten Auf dem alten Friedhof von Brody sind noch Grabstellen derer von Brühl und anderer am sächsischen Hof Beschäftigter zu finden. Auch hier soll in deutsch-polnischer Kooperation der historische Zustand wieder hergestellt werden.
Der alte Friedhof von Brody/Pförten Weiterfahrt nach Lubsko, dem früheren Sommerfeld: hier werden wir im Rathaus empfangen. Über einen Film wird uns die Stadt vorgestellt, deren Stadtkern vom Rathaus im Renaissancestil und der alten Stadtpfarrkirche aus dem 13. Jh. geprägt wird.
Rathaus und Pfarrkirche von Lubsko Auch hier ist die EU-Förderung angekommen: sowohl die Innenstadt wird neu gestaltet, als auch großzügige Gewerbeparks westlichen Zuschnitts mit entsprechender Ortsumfahrung entstehen am Stadtrand. Lubsko hat 16 000 EinwohnerInnen und ist ca. 700 Jahre alt. Neben der Wirtschaftsförderung steht der Fremdenverkehr im Mittelpunkt kommunalpolitischen Interesses. Denn auch Lubsko liegt inmitten eines Naturschutzgebietes. Interessant ist diese Stadt darüber hinaus, weil sie Sitz der Dependance der „Warschauer Schule für Sozialwirtschaftliche Studien“ ist, an der Studierende der Region in Fernstudiengängen Wirtschaftswissenschaften, Bankwesen, Pädagogik und Sozialwissenschaften belegen können. Die Studiengänge können mit einem in den USA anerkannten/zertifizierten Diplom beendet werden. Die Studierenden nehmen dank moderner Satelliten- und Kommunikationstechnik dezentral an den Vorlesungen und Seminaren aus Warschau teil. Laut Infobroschüre bedient die Warschauer Zentrale alle 16 Woiwodschaften Polens. Die Achse Forst – Brody – Lubsko existiert seit März 2000 als Städtepartnerschaft, vor allem für Schulen, Kindergärten und Vereine. Wir fahren weiter nach Zari, um eine weitere Bildungseinrichtung und die Stadt näher kennen zu lernen. In der „Lausitzer Humanistischen Universität“ von Zari werden wir vom Rektor und der Kanzlerin empfangen und über die Einrichtung informiert. Diese wurde 2004 als private Hochschule gegründet und bietet Studiengänge in den Fächern Pädagogik und Sozialwissenschaften an. Das Studium wird mit dem Bachelor beendet, angestrebt wird der Magisterabschluss. Die Studiengänge finanzieren sich über Stipendien und Gebühren – ein Semester kostet etwa 300 bis 400 €. Im Rahmen der Globalisierung werden Kontakte zum Westen mit dem Ziel des Studienaustausches gesucht: zurzeit finden Gespräche mit VertreterInnen der „Gustav – Theodor – Fechner Gesellschaft Leipzig“ statt. 40 DozentInnen und ProfessorInnen, sowie 70 Honorarkräfte unterrichten etwa 1400 Studierende. Eine Rundfahrt führt uns an der Schlossruine von Zari und am Stadtzentrum vorbei hin zu einem der neuen Gewerbegebiete am Stadtrand. Der Quadratmeterpreis beträgt ca. 3,- €...! Es geht weiter nach Zagán, einer alten Garnisonsstadt – heute ist ein dort stationiertes Bataillon zum Einsatz in den Irak abkommandiert. Zunächst werden wir im Rathaus von VertreterInnen der Verwaltung empfangen. Auch hier werden wir über die Örtlichkeiten informiert. „Nachhaltig beeindruckt“ hat mich der Auftritt des Bürgermeisters: ein großer, junger Mann mit kahlem Schädel, modischer Brille und maßgerechtem Anzug. Auf unsere Fragen, die übersetzt werden, antwortet er sichtlich gelangweilt. Blickkontakt mit uns entsteht nicht, der Herr blickt zur Decke oder zur attraktiven Dolmetscherin. Von Hause aus sei er Banker, parteilich ungebunden. Er macht wohl für sich klar, dass wir als Gruppe nicht seiner Augenhöhe entsprechen; denn wir bringen keine Fördermittel mit und tragen auch sonst nicht erkennbar zum Statusgewinn dieser Stadt bei. So entschwindet er ebenso wie er gekommen ist, um sich den wirklich „wichtigen“ Dingen zu widmen. Wir, die Gruppe, jedenfalls fanden diese Erscheinung entbehrlich. Die Städte Zagán und Netphen unterhalten seit 1995 eine Städtepartnerschaft. Geprägt wird das Stadtbild von zahlreichen Kasernen in ihrem Status als Garnisonsstadt und der alten Klosteranlage im Zentrum, deren Gründung auf die Initiative der Hl. Hedwig und den Augustinerorden zurückgeht. Heute beherbergt sie in ihren Mauern eine historische Schriftensammlung in deutscher, polnischer und lateinischer Sprache mit ca. 7000 Bänden. Die Wände sind ein eigenes barockes Kunstwerk, gestaltet von einem schlesischen Barockmaler. In der Klosterkirche selbst steht ein Altar, der aus der Schule Veit Stoß´ stammt. Berühmte Männer und Frauen, wie Kepler, Wallenstein, Talleyrand und die Herzoginnen Anna Dorothea von Kurland und deren Tochter Herzogin Dorothee von Talleyrand – Perigord haben dieser Stadt zu Ansehen verholfen. Abschließend führt uns ein polnischer Historiker durch die Räume des Residenzschlosses und entschädigt uns mit seinem engagierten Vortrag und den profunden Erläuterungen für den schnöseligen Bürgermeister! Nicht nur original ausgestattete Räume, sondern auch ein Festsaal für Konzerte und festliche Ereignisse sind Bestandteile des Schlosses. Wir werden auch in den Keller geführt, in dem sich eine skurrile Sammlung von geschnitzten Holzteufeln befindet. Leider bleibt keine Zeit, um den Schlosspark zu genießen, der von den BewohnerInnen Zagáns reichlich genutzt wird.
Die Teufelssammlung im Schloss von Zagán Wir fahren zurück nach Forst und sind gegen 17.30 Uhr im Hotel. Wir verabschieden uns von Gerlinde Födisch und von den BegleiterInnen der Stadt Forst, die mit viel Wissen und Kompetenz zum Gelingen unseres Aufenthaltes beigetragen haben. Allen Beteiligten sei an dieser Stelle ein sehr herzliches Dankeschön ausgesprochen für ihre Gastfreundschaft und die Bereitschaft, uns Auskunft zu erteilen. Dieser sehr persönliche Bericht hat mir geholfen, das umfangreiche Wissen und das Informationsmaterial zu sichten, zu ordnen und an interessierte LeserInnen weiterzugeben. In der Gruppe selbst haben wir viel Spaß und Vergnügen gehabt. Quellenhinweise: · Die Homepage der Stadt Forst · Infobroschüren der Einrichtungen, die wir besucht haben · Tourismusbroschüren der Stadt Lubsko · Viele Gespräche Veranstalterin: Gesellschaft für Weiterbildung und Kultur (GWK) e.V. Remscheid Leitung: Norbert Döringer und Roland Ohm Unterkunft: Hotel Haufe, Cottbuser Str. 123, 03149 Forst (Lausitz)
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