Veranstaltung: Was wusste Marx?
Von der Finanzkrise zur Kritik der politischen Ökonomie:
Was wusste Marx?
2008 erschütterte eine Krise die Finanzmärkte und mal wieder entbrannte die Diskussion um unser Wirtschaft und Politik, um Krisen und Kapitalismus bis hin zur Frage, was nun unser System denn eigentlich ist. In der Reihe Krise.Kapitalismus.Kritik der grünen emanzipatorischen Linken gehen wir der Frage nach, welche Erklärung und evtl. Lösungsvorschläge von links-emanzipatorischer Seite angeboten werden. Dabei landen wir auch bei Marx, der nach wie vor grundlegendes zu Verständnis und Kritik unserer politischen Ökonomie beigetragen hat. Außerdem klärt das Kapital die Systemfrage. Den Begriff Kapitalismus hat Marx genau unserem System zugeordnet und das auch drei Bände lang ausgeführt. Dass es Handwerksbetriebe, Sozialpolitik und Bereiche gibt, die in einer anderen Logik funktionieren, sollte nicht über das Funktionieren unseres Systems als kapitalistisches hinwegtäuschen. In Krisen wird meistens schlagartig klar, was in Zeiten „guter Konjunktur" als soziale Marktwirtschaft verblendet werden kann.
Marx hat im Kapital versucht, die Strukturen aufzuzeigen, die den Kapitalismus ausmachen. Was ist der menschliche Reichtum, wo entsteht er? Wo entstehen die Krisen und wie können wir weiterdenken, um sie zu lösen? Marx hat dazu einiges gewusst, aber er hat auch die Idee zerstört, es gäbe einen Reichtum, der außerhalb der menschlichen Arbeitskraft entstehe. Dabei arbeitet der Mensch in der Natur, er ist selbst Natur und verfährt auch wie diese: Die Erde ist letzten Endes die Springquelle des Reichtums, die der Mensch zerstören kann. Marx zeigt, dass im Verlauf der Geschichte Strukturen entstanden, die eine eigene Wirklichkeit erzeugen, aus denen nicht einfach auszubrechen ist. Diese ökonomischen Strukturen aber sind nur durch Krisen stabil; Krisen sind im kapitalistischen System angelegt. Krise heißt aber nicht, dass es den Menschen schlecht geht, sondern dass der Verwertungskreislauf des Kapitals stockt. Im System lösen sich die Krisen durch Kapitalvernichtung. Dabei ist es nicht wichtig, ob auf diese Weise menschliches Unglück entsteht; wichtig ist nur, dass die Kapitalverwertung danach weiter geht. Profit hält das System am Leben, nicht menschliche Bedürfnisse. Doch bevor er das Ganze soweit ausbreitet, beschäftigt sich Marx damit, wie die Grundlagen des Systems entstehen und wie es dazu kommt, dass Menschen externe Werte in Gegenständen entdecken. Auf dieser Grundlage fußt letzten Endes die weitergehende Kritik am der politischen Ökonomie. Was ist daran anders als die Ansichten der bürgerlichen Ökonomen, die Marx verachtete und ablehnte?
Wo entstehen Reichtum, Waren und Krisen? Was wusste Marx?
Kapitalismus: Eine ungeheure Warensammlung
Marx untersucht im Kapital die „Gesetze", denen die Produktion und die Verteilung der materiellen Güter in der menschlichen Gesellschaft unterliegen. Er betrachtet diese in verschiedenen Entwicklungsstufen bis hin zur kapitalistischen Gesellschaft, Er beginnt dabei dort, wo die kapitalistische Gesellschaft ihren Reichtum verortet: Dieser Gesellschaft erscheint ihr Reichtum als ungeheure Warensammlung (1). Doch der Schein trügt: Die Springquellen des Reichtums sind die menschliche Arbeitskraft und die Erde. Um das zu zeigen, schaut Marx zuerst hinter die Waren und beginnt seine Kritik der politischen Ökonomie mit der Betrachtung von Gebrauchsgegenständen.
Wert: Der Doppelcharakter
Ware ist zuerst einmal ein produzierter Gegenstand, der später getauscht werden soll. Dafür aber muss es ein Gegenstand sein, der einen Gebrauchswert hat, z.B. ein Stuhl zum Sitzen. Alle Dinge um uns herum, die wir nicht weiter tauschen möchten, die wir benutzen und gebrauchen, haben für uns einen Gebrauchswert; sonst wären sie uninteressant, wir würden sie sofort weitergeben oder, falls sie für andere einen Gebrauchswert haben, tauschen. Im Tauschakt erhalten die Waren einen Tauschwert; der Gebrauchswert ist verschwunden. Es zählt in dem Moment alleine die Wertgröße, eine Größe, die vergleichbar ist zwischen den zu tauschenden Gegenständen. Das ist unabhängig davon, ob eine Gesellschaft schon Geld kennt oder noch Eier gegen Schuhe tauscht: Es muss etwas geben, das den Tausch für die Tauschenden attraktiv bzw. gleichwertig macht.
Doch dieser Tauschwert ist nicht auf den ersten Blick zu entdecken: Er ist keine natürlich in einer Ware enthaltene Eigenschaft, er klebt auch nicht an ihr. Der Wert ist eine gesellschaftliche Eigenschaft: eine Tauschbeziehung. Als Gebrauchswerte sind die Waren vor allem von verschiedener Qualität, haben, wie gesagt, einen verschiedenen stofflichen Inhalt. Im Tausch aber zählt die Menge, 100 Eier gegen einen Tisch; vom Gebrauchswert wird abstrahiert. (17) Diese Zahlen aber müssen wiederum auf etwas Gleiches zurückgeführt werden können, wollen wir tauschen und nicht behaupten, 100 Eier seien halt nun mal einfach per se gleichwertig, sie hätten eine harte Schale wie der Tisch .....
Was aber haben denn nun verschiedene Waren im Tauschwert gemeinsam? Alle benötigten zu ihrer Herstellung menschliche Arbeitskraft: Ein Gebrauchswert oder ein Produkt hat nur deshalb einen Wert im Tausch, weil menschliche Arbeit in ihm materialisiert ist. Was sonst können Menschen im Tausch vergleichen bei qualitativ völlig verschiedenen Produkten? Da aber im Austausch nur ihr Tauschwert zählt, sieht es für die Menschen so aus, als hätte die Ware einen eigenständigen Tauschwert, der unabhängig vom Gebrauchswert und der menschlichen Arbeitskraft ist. Die Waren haben also einen Doppelcharakter, einen Gebrauchswert und einen Tauschwert. (18)
Arbeit: Konkret und abstrakt
Im Tausch, in dem die Produktionszeit wichtig wird, zählt allerdings die abstrakte Arbeit, nicht die konkrete. Erstens könnte es keinen Vergleich von Qualitäten der Arbeiten geben: Was würde Schneidern und Tischlern vergleichbar machen? Zweitens zählt bei der abstrakten Arbeit nicht die individuelle, persönlich notwendige, konkrete Arbeitszeit, sondern die durchschnittlich notwendige Arbeitszeit. Wenn z.B. Wollpullover gestrickt werden und fast alle brauchen dazu zehn Stunden, ich aber benötige 30, dann werde ich am Markt nur zehn Stunden bezahlt bekommen. Die Wertgröße im Tausch bestimmt sich also nach der gesellschaftlich notwendigen, durchschnittlichen Arbeitszeit. (19) Daraus wiederum ergibt sich: Je höher die Produktivkraft, je kürzer die Arbeitszeit, desto geringer der Tauschwert. (29) Werden Strickmaschinen eingesetzt, können sehr viele Pullover mit sehr wenig Arbeitszeit gestrickt werden.
Ein Einwand lautet, es gäbe aber doch bei gleicher Arbeitszeit unterschiedliche Löhne. Sicher gibt es Arbeit, die eine höhere Wertung erfährt, weil zu der Ausführung ein unterschiedliches Können und mehr Wissen, das heißt Ausbildung, notwendig ist. Aber auch hier entsteht die Wertung nicht aus irgendeiner metaphysischen Bildung, sondern daraus, dass genau dieses Wissen Zeit zur Aneignung braucht und sie entscheidend für die Gesamtproduktion ist, weshalb ihr ein höherer Reproduktionsaufwand zugestanden wird und am Ende mehr Tauschwert. Auch können dank einer zentralen Stellung im Produktionsprozess manche Gruppen bessere Bedingungen durchsetzen oder größere Tauschwerte herausschlagen. Allerdings wird dabei schnell vergessen, dass ohne Produktion auch das umfangreichste Wissen sich nicht mehr „vermarkten" ließe: Wer wollte es tauschen, wenn es keinen Wert hat? Was in Spitzenzeiten von Finanzblasen läuft, scheint dieser These zu widersprechen. Doch dabei handelt es sich um Bluff und Spekulation, deren Luftnummern beim Zusammenbruch sichtbar werden, wenn weder investiert noch Bildung oder Forschung vorangetrieben wurde: Also null Wert übrig bleibt.
Wer schöpft Wert?
Praetorius und andere sagen, nur abstrakte Arbeit sei wertbildend und nicht nachgefragte Güter würden keinen Wert bilden. Da fragt es sich: welchen Wert? Erstens bildet jede menschliche Arbeit Gebrauchswert. Aber nur in der Warenproduktion ist sie von Anfang an zur abstrakten Arbeit geknechtet, da hier nur der Tauschwert zählt. Aber menschliche Arbeit schafft auch dann Waren und Tauschwerte, wenn diese sich nicht am Markt realisieren können, also scheitern. Die Produkte werden durch die Produktion Teil der Warenwelt mit Tauschwert.
Da sie Waren sind, sind sie sind auch nicht einfach verfügbar, auch dann nicht, wenn sie eigentlich gebraucht würden. Waren werden nicht verschenkt, das widerspricht der Logik des Systems. Waren, die sich nicht am Markt realisieren lassen, werden nicht mehr produziert, auch dann nicht, wenn sie gebraucht werden. Hier zeigt der Kapitalismus seine übelste Seite.
Ein Ding kann aber auch Gebrauchswert besitzen, ohne Wert zu haben. Das ist dann der Fall, wenn sein Nutzen nicht durch die menschliche Arbeit entsteht; z.B. die unberührte Natur oder Luft. Es kann aber auch etwas nützlich sein und selbst hergestellt für das eigene Bedürfnis; ein Ding mit Gebrauchswert, nicht zum Tausch produziert - dann wird es keine Ware. (29)
Mensch und Natur, Frau und Mann?
Der Mensch verfährt wie die Natur, er formt in seiner Arbeit die natürlichen Dinge um. Die Natur unterstützt ihn ständig, denn alles ist aus ihr: nicht nur die Stoffe, sondern auch die Marx zitiert William Petty: Die Arbeit ist der Vater, die Mutter die Natur. Hier haben wir bereits, wie so oft, die Dualität männlich/weiblich; wir finden sie bei Fromm und vielen anderen. Die schaffende aktive Tatkraft dem Mann, die gebende, duldende Basis der Frau. Wohin das führt, werden wir sehen - wenn mit der Geduld Schluss ist, hat die menschliche Tatkraft sich zerstört. Die Erde aber wird es weiter geben; vielleicht kann sie beim nächsten Mal gleich von Anfang an etwas weniger geduldig sein oder wir bleiben besser beim Matriarchat. J
Fetisch - eine machtvolle Struktur
Die Warenform als Wertverhältnis der Waren hat also nichts mit der physischen Natur der Dinge zu tun. Das bestimmte gesellschaftliche (Tausch)Verhältnis erscheint für die Menschen als innere Wirklichkeit der Dingwelt. Wie in der Religion die Phantastereien im Kopf den Menschen real erscheinen, so in der Warenwelt die Werte der Produkte der menschlichen Hand. Das nennt Marx Fetisch „der den Arbeitsprodukten anklebt, sobald sie als Waren produziert werden, und der daher von der Warenwelt unzertrennlich ist." (1. Kap. IV) Er entspringt dem gesellschaftlichen Charakter der Arbeit, der Warenproduktion. Was das aber enthält: Er kann durchschaut, aber durch die Erkenntnis alleine nicht wegdiskutiert werden. Dieser Fetisch ist untrennbar mit der Warenproduktion verbunden, untrennbar mit unserer Gesellschaft und letztlich ein gesellschaftliches Verhältnis.
Daraus ergibt sich auch, dass dem bürgerlichen Bewusstsein produktive Arbeit notwendig erscheint, denn eine Nicht-Warenform ist hier nicht denkbar. (59)
Und hier noch etwas zum vorigen Satz: Einfach damit, Arbeit für nicht notwendig zu erklären oder immaterielle Arbeit zur Grundlage aller Wertschöpfung, ist es m.E. nach Marx nicht getan. Damit würde nur ein Fetisch durch einen weiteren verdoppelt.
Der Austauschprozess: Ware und Geld
In Kapitel zwei verfolgt Marx den Weg der Waren weiter; sie gehen in den Austauschprozess. In allen gesellschaftlichen Zuständen haben die Produkte der Arbeit einen Gebrauchswert, aber nur in einer bestimmten Epoche wird die verausgabte Arbeit als „gegenständliche" Eigenschaft dargestellt, als ein Wert und nur unter dieser Voraussetzung kann ein mit menschlicher Hand hergestelltes Ding zur Ware werden. (40) Erst geht es um Warentausch. Ein allgemeines Äquivalent, Gold, Silber, Geld entwickelt sich dann, wenn es Gesellschaften nicht mehr nur um gelegentlichen Tausch oder nur um Tausch in kleineren Sektoren mit überwiegender Eigenproduktion und Konsumtion geht. Gold ist auch eine Ware. „Weil alle Waren als Werte vergegenständlichte menschliche Arbeit sind, können sie ihre Werte gemeinschaftlich in derselben spezifischen Ware messen und diese dadurch in ihr gemeinschaftliches Wertmaß oder Geld verwandeln." (68) Das Gold wurde nicht zum Äquivalent, weil es irgendeinen anderen irrationalen göttlichen Wert besitzt; auch wenn wahrscheinlich der Glanz und die Haltbarkeit überzeugt hat. „Als Maß der Werte kann Gold nur dienen, weil es selbst Arbeitsprodukt, als der Möglichkeit nach ein veränderlicher Wert ist." (70) Es gibt nichts außer der menschlichen Arbeitskraft, das als Wertmaßstab möglich ist, egal wie es glänzt und funkelt.
Der Markt: Wo entsteht der Wert?
Auf den Markt gehen die waren selbstverständlich nicht alleine. Die Warenbesitzer müssen sie schon zum Markt bringen, bzw. mit anderen Warenbesitzern einen Markt bilden, sich mit einem gemeinsamen Willensakt aufeinander beziehen. Sie müssen als Privateigentümer ein Rechtsverhältnis eingehen, einen Vertrag schließen, in dem sich ihr ökonomisches Verhältnis widerspiegelt. Für die Besitzer haben die Waren keinen Gebrauchswert, sondern nur Tauschwert. Bevor sie aber für andere zu Gebrauchswerten werden, ihre Gebrauchswerte realisieren können, müssen sie am Markt ihren Wert realisiert haben. Das wiederholt vorher gesagtes; aber Marx wiederholt auch vieles. Es entspricht der damaligen Zeit, dicke Bücher zu schreiben und entstand stellenweise sicher auch, da der Zensur auf diese Weise entgangen werden konnte. J
Auch Marx ist klar, dass manche Waren sich unter Wert realisieren und andere über Wert. Aber im Durchschnitt realisieren sich die Waren nach ihrem Wert. Außerdem gibt es Raub, Betrug und Geschenke, die dazwischen kommen können, wenn die Waren eigentlich nach ihrem Wert getauscht werden sollen. Das alles ändert nichts daran, dass am Markt idealtypisch die Waren nach ihrem Wert getauscht werden. (61)
Ein Gegenargument heißt, der Wert entstehe im Handel. Ein Buch hat zB einen Gebrauchswert. Ich hätte aber vor einem Jahr 100 Stück Marx Kapital für 4 Euro kaufen können und jetzt hätte ich 89 dafür bekommen: Na also, der Wert entsteht im Handel! Nun stellen wir ein Buch vor dem Handel und eins, das ich für 89 Euro verkauft habe, nebeneinander ins Regal. Wo finden wir den Wert, wenn wir es anschauen? Im ästhetischen Buchrücken und beim Lesen: im Gebrauch. Tja, und der Rest ist ein gesellschaftliches Verhältnis, das nur von Ware zu Ware entscheidet. Ob ich eines für 100 Euro weiterverkaufen kann, entscheidet sich nur daran, ob ich jemanden finde, für den/die das Teil diesen Preis „wert" ist.
Der Preis: Geldname der Arbeit
Kapitel drei beschäftigt sich mit dem Geld und der Warenzirkulation, dem Wertmaß, der Metamorphose der Waren zu Geld und dem Geld als Zahlungsmittel. Die Goldquanta, also eine bestimmte Menge Gold, werden in der historischen Entwicklung zu Geldmünzen und je nach Land erhalten sie unterschiedliche Namen und Teilungen. Das ist aber nicht so wichtig. Entscheidend ist, dass ab einem bestimmten Entwicklungsstand Preise den Wert der Waren ausdrücken: 1 Quarter Weizen ist gleich 3 Pfund Sterling. „Der Preis ist der Geldname der in der Ware vergegenständlichten Arbeit." (72) An dem Punkt geschieht Entscheidendes, denn wenn der Kreislauf funktioniert, reicht der erzielte Preis, damit es den Menschen so vorkommt, als sei das der Wert der Ware. Wenn zwar der Preis als Ausdruck der Wertgröße einer Ware Ausdruck ihres Austauschverhältnisses in Geld ist, so ist trotzdem nicht zwingend notwendig, dass der Exponent ihres Austauschverhältnisses mit Geld dem ihres Wertes entspricht, schreibt Marx und: „Die Möglichkeit quantitativer Inkongruenz zwischen Preis und Wertgröße, oder der Abweichung des Preises von der Wertgröße, liegt also in der Preisform selbst." (73)
Es ist unbestreitbar so, dass bei gleichbleibenden Produktionsbedingungen oder bei gleichbleibender Produktivkraft der Arbeit für ein Kilo Weizen immer gleichviel gesellschaftliche Arbeit notwendig ist. In der Preisform liegt die Möglichkeit der Unterschiede; es ist kein Mangel der Form, sondern „adäquate Form einer Produktionsweise, worin sich die Regel nur als blindwirkendes Durchschnittsgesetz der Regellosigkeit durchsetzen kann." Es geht aber weiter, denn auch wertloses kann einen Preis bekommen: „Die Preisform lässt jedoch nicht nur die Möglichkeit quantitativer Inkongruenz zwischen Wertgröße und Preis, ..., sondern kann einen qualitativen Widerspruch beherbergen, obgleich Geld nur die Wertform der Waren ist." (73) So ist auch verständlich, dass Immaterielles wie Gewissen und Ehre einen Preis bekommen können, ohne einen Wert zu haben. Sie erhalten durch ihren Preis die Warenform! (74) An dem Punkt wird oft Preis und Wert verwechselt, deshalb ist es wichtig, das hier zu verstehen. Waren werden zu ihrem Wert verkauft. Der Preis aber...s.o.
Arbeitsteilung, Widerspruch und Krise
Wie aber kommt der Tausch überhaupt zu Stande? In der gesellschaftlichen Entwicklung schreitet die gesellschaftliche Teilung der Arbeit voran; sie macht die Arbeit einseitig und die Bedürfnisse vielseitig. Die Menschen stellen nur einen Teil der von ihnen benötigten Gebrauchswerte selbst her, andere müssen sie kaufen. Die Teilung der Arbeit ist dabei die Vorraussetzung dafür, dass die Arbeitsprodukte überhaupt zu Waren werden. (79) Bei einem bestimmten Entwicklungsstand werden, wie bereits beschrieben, nicht mehr Waren gegen Waren, sondern Waren gegen Geld getauscht. Im Prozess des Tausches fallen Waren, die vernutzt werden, heraus, andere kommen herein. Wichtig aber ist, dass Geld ständig herausgeworfen wird. Die Verwandlung des Warenwerts aus dem Warenleib in den Geldleib nennt Marx den Salto Mortale der Ware.
Hier wird oft angenommen, es könnte einen Kreislauf geben, nach dessen Durchgang inklusiv aller Bedürfnisbefriedigung das Ganze erlischt; oder eine Stufe, auf der ein Gleichgewicht der Käufe und Verkäufe herrsche. Aber das Geld bewahrt seine zirkulationsfähige Form; nur in ihr hat es Gebrauchswert! Die Geld-Zirkulation sprengt die zeitlichen, örtlichen und individuellen Schranken. Der Tausch, Kauf und Verkauf, bilden zwar eine innere Einheit, die sich aber in äußeren Gegensätzen bewegt. Kein Kauf ohne Geld, als Verkauf und Kauf, aber da nur eine Ware in der allgemeinen Äquivalentform haltbar, kann sich das Spiel zwar eine ganze Weile fortsetzen, aber irgendwann geht die äußerlich Verselbständigung soweit fort, dass es zur Krise kommt. (85)
Der Widerspruch von Gebrauchswert und Wert, von konkreter und abstrakter Arbeit, von Personifizierung der Sache und Versachlichung der Personen entwickelt sich zusammen mit der Entstehung der Warenform in Folge der gesellschaftlichen Arbeitsteilung. In der Warenform entstehen diese Widersprüche immanent, und, wie gesagt, damit auch die Möglichkeit zu Krisen.
Die Funktion des Vermittlers der Warenzirkulation erhält das Geld nur, weil es der verselbstständigte Wert der Waren ist. Obgleich es eigentlich nur Ausdruck der Warenzirkulation ist, erscheint den Menschen die Warenzirkulation nur Ausdruck der Geldbewegung, denn Geld bleibt im Zirkulationsprozess und wird beständig ausgeschwitzt.
Bis hierher war Geld Tauschmittel, Zirkulationsmittel, Äquivalent, Schatz. Es beinhaltet als Schatz durchaus die Möglichkeit, mehr Güter anzuhäufen als andere, aber den Sprung zum Kapital schafft es erst durch die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft.
Das Kapital
Im vierten Kapitel geht es um die Verwandlung des Geldes in Kapital. Auf einem bestimmten Entwicklungsstand ist die Warenzirkulation Ausgangspunkt des Kapitals: „Welthandel und Weltmarkt eröffnen im 16. Jahrhundert die moderne Lebensgeschichte des Kapitals." (110) Geld als Geld und Geld als Kapital unterscheiden sich in der Zirkulationsform. Im Prozess Ware-Geld-Ware ist Gebrauchswert der Zweck; bei Geld-Ware-Geld ist das treibende Motiv der Tauschwert selbst. Allerdings soll nicht etwas für zehn Euro produziert und für denselben Preis verkauft werden, sondern nach dem Verkauf des Produkts soll mehr Geld da sein, als zu der Produktion nötig war.
Die Vulgärökonomie behauptet nun, die Warenzirkulation, der Handel, sei Quelle des Mehrwerts; und es herrscht die Illusion, Mehrwert entspringe einem nominellen Preiszuschlag oder einem Schwindel. (123)
Aber egal, ob Äquivalente ausgetauscht werden oder nicht: Durch Handel entsteht kein Mehrwert. „Die Summe der zirkulierenden Werte kann nicht durch Wechsel der Verteilung vermehrt werden. Die Gesamtheit der Kapitalistenklasse eines Landes kann sich nicht selbst übervorteilen." (124) Oder mit dem Buchbeispiel: Wenn ich ein Buch für 100 Euro und eine Freundin das gleiche für 10 bekommen hat, packt mich wohl eher der Frust oder ich behaupte, eine faire Einkäuferin gewesen zu sein, aber davon, zu behaupten, mein Buch hätte „mehr Wert" bin ich sicher weit entfernt. Wenn der gesamte Handel so liefe, würde es allerdings spannend bzw. der Prozess wohl schnell und wahrscheinlich gewaltsam beendet. So aber ist es nicht, denn wie gesagt, nicht alle können alle laufend übervorteilen. Es kann aber auch nicht sein, dass eine Ware für ein Euro gekauft wird, sich verwandelt und anschließend zwei Euro ausspuckt. Der Prozess Geld - Ware - Mehrgeld (G-W-G´) muss anders laufen. Woher kommt also der Mehrwert? Welche Ware wird zugefügt, sodass Mehrgeld entsteht? Gesucht wird eine Ware, die dazu kommt, Gebrauchswert hat und Quelle von Wert wird; eine Ware, die sich verbraucht und den Waren Wert zusetzt. Ohne die Erfindung eines Naturrechts, das schlimmstenfalls dem Stärkeren mehr Recht zuspricht und auch ohne ein göttliches Licht, das die Waren innerlich erleuchtet und wertvoll macht.
Diese Ware finden wir dort, wo aller irdischer Reichtum entsteht: Wir finden sie in der Arbeitskraft, die in der Fähigkeit der lebendigen Persönlichkeit der Menschen existiert, sooft sie irgendwelche Gebrauchswerte produzieren.
Um aus Geld Mehrgeld zu machen, also aus Geld Kapital, ist diese Ware nötig: Aber es muss auch jemand da sein, der seine Arbeitskraft verkaufen will, bzw. muss. Der Geldbesitzer muss freie Arbeiter vorfinden, Menschen, die frei über ihre Arbeitskraft verfügen können.
Dieser Arbeiter muss aber auch frei von „allen zu seiner Verwirklichung seiner Arbeitskraft nötigen Sachen" sein, also frei von den Produktionsmitteln; wer hätte sonst Lust, freiwillig Mehrwert, mehr Wert, als er/sie zum Leben benötigt, für andere herzustellen und dafür die eigene Lebenszeit herzugeben? Nur die, die das müssen, geben diese Ware her, weil sie nicht über die notwendigen Produktionsmittel verfügen und weil sie wiederum nur so an die Ware kommt, mit der sie ihr Leben erhalten können, an Geld.
Da die Arbeitskraft nur existiert bei lebendigen Individuen, setzt ihre Verausgabung in der Produktion seine Existenz und damit auch sein Überleben voraus. (131) Die Arbeitskraft muss nicht nur überleben und ihre „Arbeitskraft reproduzieren", das heißt sich selbst erhalten, sich selbst, sondern es muss auch reichen für neue kleine ArbeiterInnen. (131) Der Umfang von Bedürfnissen und deren Befriedigung ist selbst ein historischer Prozess und hängt von der gesellschaftlichen Entwicklung ab. Die Ware Arbeitskraft aber enthält im Gegensatz zu allen anderen Waren ein historisches (abhängig vom Stand der Produktivkräfte) und moralisches Element. (132)
Mehrwert entsteht also nicht im Handel, sondern im Produktionsprozess durch Hinzufügung der Ware Arbeitskraft. Wert entsteht selbstverständlich bei jeder Verausgabung menschlicher Arbeitskraft. Aber Mehrwert entsteht, weil die ArbeiterInnen ihre Arbeitskraft länger verkaufen müssen, als sie eigentlich zu der eigenen Reproduktion müssten, wenn sie Eigentum und eigene Produktionsmittel besäßen. Aus der ohne Bezahlung geleisteten Mehr-Arbeitszeit entsteht der Mehrwert, der der Kapitalseite zufließt, denn auch dem eingesetzten Geld soll am Ende Mehr-Geld herauskommen.
Die Entwicklung der freien ArbeiterIn erscheint aus anderem Blickwinkel als Paradies der Freiheit, als ein freier Markt des Austauschs: „Freiheit, Gleichheit und Bentham. Freiheit!" unkt Marx.
Es erscheint nämlich so, als schlössen freie WarenverkäuferInnen Verträge, durch freien Willen bestimmt, rechtlich ebenbürtig und gleich. Warenbesitzer zu Warenbesitzern. Arbeitskraftbesitzerinnen mit Kapitalbesitzerinnen. Was sie eint sollen Eigennutz, Sondervorteil und Privatinteresse sein. Es erscheint als objektiv von Außen hergestelltes Verhältnis, in dem jedeR potentiell die gleichen Rechte besitzt und sich neutral und objektiv, frei und freiwillig, um sich selbst sorgt. Es sieht aus, als zögen alle gleichermaßen einen Vorteil daraus, zum Wohle des Gemeinnutzens und des Gesamtinteresses.
Tatsächlich aber muss die „doppeltfreie Arbeiterin" ihre Arbeitskraft verkaufen; nicht nur den Teil, der zu ihrer Reproduktion notwendig ist, sondern so viel wie nur möglich, um die Werte zu schaffen, die verwertet werden können und die neues Kapital bilden, das nur entstehen kann aus unbezahlter Arbeitskraft, aus Ausbeutung. Wert bildet die verausgabte Arbeitskraft mit Hilfe natürlicher (meist freier) Ressourcen oder je nach Entwicklungsstand, mit Ausbildung.
Wichtig aber bleibt: Den Arbeitskraftbesitzerinnen stehen Kapitalbesitzerinnen gegenüber, die aus ihrem Geld mehr Geld machen möchten. Und der Wert, den sie den Ausgangsstoffen im Produktionsprozess zusetzen, der sich verbraucht und die Waren mehr Wert macht, ist die menschliche Arbeitskraft, die fähig ist, die Natur umzuformen. Hier entsteht auch der Wachstumszwang, ebenso wie das naturzerstörende Potential. Was aber passiert, wenn wir die Natur zur Ware erklären und Naturvernutzung einpreisen? An dem Punkt muss grüne Politik sich Gedanken machen. Ist es ein Ausweg aus der kapitalistischen Zirkulation oder dreht sich die Spirale nur ein Stück weiter, da es Menschen gibt, die Natur in ihrem Umfeld verkaufen müssen, während andere es sich leisten können, die in ihrer Umgebung zu schonen?
Marx geht in Band 2 und 3 des Kapitals auf die verschiedenen Kreisläufe ein: Die Prozesse, die zur Herstellung der Produktionsmittel und der Konsumtionsmittel notwendig sind ebenso wie auf die Frage, wo nun Geld produziert wird. Dabei entwickelt er, wie bereits am Anfang am Beispiel Geld, weiter, wie im System Krisen zwangsläufig entstehen. Das System kennt aber nur seine Logik: Krisen werden überwunden, in dem Kapital oder Geld vernichtet wird. Da aber das System an der Ausbeutung der Ware Arbeitskraft hängt und nur über das Mehrprodukt und Mehrwert weiter läuft, da dieses Wachstum seine Existenz trägt, ist es auch die Lebensgrundlage der ArbeiterInnen und die Vernichtung des Kapitals schlägt zurück auf sie. Hier ist wiederum auch das zerstörerische Potential für die benötigten Gratisressourcen angelegt, die zum Profit zwingend beitragen müssen, um das System am Leben zu erhalten. Und hier geht es um die globale Ausbeutung von Menschen und die Zerstörung von Natur.
Geldschöpfung im Warenkreislauf?
Es muss hier noch ein wichtiger Punkt nachgetragen werden, den ich extra nehme und nicht in der Reihenfolge.
In der historischen Entwicklung mit der Abschaffung der Leibeigenschaft und der Vertreibung vom Land entstehen freie ArbeiterInnen. Wir sagten bereits, dass das Geld im Gegensatz zu den Waren in der Zirkulationssphäre bleibt, das ist schließlich auch sein Gebrauchswert. Aber: Es entsteht nicht dort, deshalb stellt Marx die Frage, wie viel Geld die Zirkulationssphäre beständig absorbiert? (88)
Einmal hat die Zirkulationssphäre der Waren ein Loch, durch das neues Gold eindringt; der Wertmaßstab kann durch Vermehrung fallen oder Verknappung steigen, womit sich auch die Preise ändern. Das ist eines, was früher durch die Entdeckung neuen Goldes und heute durch das Gelddrucken passiert. Es kann dann so aussehen, als seien die Preise gestiegen, weil mehr Zahlungsmittel da sind, dabei hat sich die Situation nur angepasst. „Sinkt nun ... der Wert des Wertmaßes selbst, so erscheint dies zunächst im Preiswechsel der Waren, die unmittelbar an den Produktionsquellen der edlen Metalle mit ihnen als Waren ausgetauscht werden. Namentlich in minder entwickelten Zuständen der bürgerlichen Gesellschaft wird ein großer Teil der andern Waren noch längere Zeit in dem nun illusorisch gewordenen, veralteten Wert des Wertmaßes geschätzt werden." (89) Tja, so ist es J
Es ist aber m.E. an der Stelle, dank der Ungleichzeitigkeit des Prozesses auch der Grund zu suchen, warum die Gold- und Silberminenbesitzer einen Vorteil bei der Herrschaft hatten.
Aber zurück: Nehmen wir nun an, die Masse des Geldes sei durch die zu realisierende Preissumme der Waren bestimmt. Damit wäre die Preissumme abhängig von der ganzen Warenmasse und die Geldmasse schwankte mit der Preisschwankung der Waren. Dabei ist unwichtig, ob es der wirkliche Wertwechsel oder bloß Preisschwankungen sind, die Wirkung auf die Geldmasse ist die Gleiche, das Geld fragt nicht nach. Jetzt aber zeigt es seine entscheidende Funktion: Es bleibt Geld, bleibt Zirkulationsmittel. Das Geld wechselt die Stelle, aber nicht die Form. Hierbei sind verschiedene Geschwindigkeiten des Umlaufs möglich; G-W-G-W-G-W, kann schnell gehen oder langsam. Die Ware ändert sich, das Geld bleibt. Wichtig aber ist das Gesetz, dass für einen bestimmten Zeitraum des Zirkulationsprozesses gilt: Die Masse des Geldes ist gleich der Preissumme geteilt durch die Umlaufzahl gleichnamiger Geldstücke.
Die Geldmasse ist so einerseits bestimmt durch die Preissumme der zeitlich und räumlich nebeneinander zirkulierenden Waren und je nach Zirkulationsgeschwindigkeit wächst oder sinkt die Geldmasse. Aber hier ist keine Chance, Geld zu schöpfen ohne Waren.
Es bleibt, dass die historische Entwicklung, die Freisetzung der ArbeiterInnen über die Aneignung der Produktionsmittel an das Eigentum geknüpft ist. Die Entwicklung, die Enteignung von Boden z.B. ist und war ein gewaltsamer Prozess. Auch Marx kennt bereits den globalen Markt, bzw. das Weltgeld, das den gesellschaftlichen Reichtum materialisiert und dessen Funktion vor allem der Vergleich der Handelsbilanzen, das Losungswort des Merkantilsystems, darstellt.
.... Zum Nachdenken
Bis hierher geht Marx Analyse in den ersten vier Kapiteln. Die Frage war: Was wusste Marx? Er wusste, dass der Kapitalismus ein bestimmtes, gesellschaftliches Verhältnis ist, dessen Fetisch auf bestimmten Strukturen im Produktionsprozess beruht. Bei der Analyse des wirtschaftlichen Systems entwickelt Marx, dass im Kapitalismus Ausbeutung und Krisen keine Ausnahme, sondern systembedingt sind. Wir haben es mit einem strukturellen Problem zu tun. Der Kapitalist als personifiziertes Kapital ist durch die Strukturen zu Ausbeutung gezwungen, wenn er im System den kapitalistischen Konkurrenzkampf überleben will und wieder Kapital bilden. Da die treibende Kraft die Kapitalverwertung ist, stellt das kapitalistische System auch nicht die Frage nach den Bedürfnissen der Menschen, sondern produziert, was den größten Mehrwert verspricht. Dank der scheinbar neutralen Strukturen erscheint das für die Menschen als ein objektiver Weg zur Verteilung und Produktion der gewünschten Güter, Chancen und Ressourcen. Die Probleme, die aus Ausbeutung und Nutzung der Gratisressource Natur entstehen, sind nicht überall zu sehen; das System ist global aktiv und zeitlich verschoben. Müsste es sich an seiner globalen Ausbreitung und Grad der Bedürfnisabdeckung mit Nahrung und Bildung messen lassen, wäre sichtbar, dass es nur für wenige funktioniert und dass es auf Ausnutzung von „billiger" Arbeitskraft oder von Gratisressourcen aufbaut.
Mit dieser Analyse können wir nicht mehr glauben, dass es reicht, das Casino zu schließen oder einzelnen die Gier abzugewöhnen, wenn wir alle schlechten Seiten unseres Systems ausschließen wollen. Wir können mit dieser Analyse aber auch nicht hoffen, es gäbe schnell eine andere Lösung, sowenig wie es einen Kapitalismus ohne Konkurrenz und Krisen gäbe.
Wir können mit Marx aber die Situation anders verstehen.
Vielleicht müssen wir auch über die Problematik der religiösen Formen nachdenken und mit dem Fetisch bewusst umgehen; durchaus darin liegende Chancen nutzen, aber doch gesellschaftliche Formen finden, die ohne Ausbeutung und Naturzerstörung, ohne Gratisressourcen, funktionieren. Hier setzt die Debatte, Natur einzupreisen, an. Marx Kapital hat darin auch etwas Utopisches: Es scheint in der Kritik der politischen Ökonomie ein Wissen zu spüren, wo das Glück lauern könnte, auch wenn wir gefangen sind in den ökonomischen Strukturen, aus denen der Weg schwer zu finden ist. Hier kommen wir auch nicht an der Frage vorbei, ob nicht der Kapitalismus am Ende doch der menschliche Natur am nächsten kommt und wenigstens mit diesem Zwangssystem die Bosheit, Neid, Faulheit und Gier am besten in für am meisten Menschen halbwegs erträgliche Bahnen gelenkt werden könnte, würden wir den Kapitalismus etwas gerechter regeln. Und die Behauptung, dass es so gekommen sei, weil der Mensch eben schlecht sei, ist sowenig zu beweisen wie zu widerlegen. Marx würde sagen: Aus unserem Sein entwickelt sich unser Bewusstsein. Wenn uns aber die Strukturen bewusst sind, dann ist das ein entscheidender Schritt, ein anderes Bewusstsein zu entwickeln, eines, das mit den Strukturen kritisch umgehen kann.
Dafür ist das Kapital lesenswert.
Die Seitenzahlen beziehen sich auf die Kautsky-Ausgabe des Kröner- Verlags von 1957. Die ist leider nicht komplett, weshalb mensch auch eine große Ausgabe braucht, um z.B. die geschichtlichen Abhandlungen nicht zu verpassen. Sie passt aber gut in den Rucksack, kann also überall hin mitgeschleppt werden.J


